Meine HiFi Anlage

Der Anfang

Angefangen hat es schon in den 90er Jahren während meiner Schulzeit. Ich spielte damals E-Gitarre. Mit ein paar Freunden hatten wir es sogar eine Zeitlang mit einer Band versucht - es war sehr (zu) chaotisch. Aus Zufall und den begrenzten finanziellen Mitteln, kam ich zu einem Röhren-Topteil von Klemt Echolette. Dieses alte Produkt aus Ostdeutschland produzierte mit beinahe jeder Gitarre einen traumhaften Sound. Zum Musikhören besaß ich eine Kompaktanlage von AIWA, die nicht im Entferntesten den Klang einer Gitarre - oder irgendeines Instruments - wiedergeben konnte. Ich "borgte" mir von meinen Eltern die Yamaha Lautsprecher und einen Verstärker von Nordmende und ohne es zu ahnen stand mein langjähriges Hobby fest. Die Verbesserung war deutlich hörbar.

 

Die Odyssee

Über die Jahre folgten viele CD-Spieler, Verstärker und noch mehr Lautsprecher: Selbstbaulautsprecher aus verschiedenen Seas Chassis, Focal, Visaton, Accuton mit Keramik-Membranen, ScanSpeak, ESS AMT-1, Peerless weiterhin Fertiglautsprecher von Quadral, Thiel, Sehring 701 (sehr gut) und schließlich die passiven Geithain ME-100. ME-Geithain war "mein Lautsprecher" - wieder ein Ost-Produkt. Auf der Verstärkerseite: Harman-Kardon (90er Jahre Geräte), Arcam Delta 290 (super), Thel, Linn, Octave V50 (hervorragend), Destiny, Conrad-Johnson, Naim Supernait.

 

Mit den Geithain ME-100 an Octave V50 und Ayon CD1 als Quellgerät, hatte ich eigentlich bereits "meine Anlage" gefunden.

In diese Zeit fielen auch die ersten Experimente mit Basotect, Mineralwolle, abgestimmten Membranabsorbern und vielen Diffusoren im Frontbereich und der Decke. Dank der mir damals zur Verfügung gestandenen Messgeräte und viel Zeit hatte ich am Ende einen excellenten Hörraum in einer zentral gelegenen Hamburger Altbauwohnung. Ich hätte entspannt Musikhören und es dabei belassen sollen.

 

Aber aktive Lautsprecher liegen bei einem Hersteller wie ME-Geithain ja nahe und sollen doch so viel besser sein. Also nach langem Überlegen und Probehören in fremden Umgebungen (ziemlicher Blödsinn) die große aktive RL 933K gekauft, als Quelle den Ayon-CD2 und später den S3-Streamer. Trotz deutlich höherer Kosten wollte es einfach nicht mehr "einrasten". Es klang zwar super detailreich und sauber, aber irgendwie auch leblos-digital. Akustische Instrumente klangen nicht "echt". An der Raumakustik lag es definitiv nicht - ich wusste ja wie es in dem Raum klingen konnte. Viele weitere, zum Teil sehr teure Geräte kamen und gingen, dabei war ein Thöress Vorverstärker, ein Fonel Röhren CD-Spieler, eine extrem aufwändige "Stromaufbearbeitung" und sogar eine "audiophile" Steckdose (das war mir schon peinlich, aber es war die reine Verzweiflung). Weil ich die meisten Geräte auf dem Gebrauchtmarkt kaufte, lernte ich Deutschland gut kennen und die finanziellen Verluste hielten sich in Grenzen.

 

Dann kamen die Kinder und das Haus. Das gesamte Equipment wurde verkauft - auch weil ich wusste, dass ich mich mit der Musikanlage in die falsche Richtung entwickelt hatte. Der akustische Ausbau ging komplett per Spedition in ein Tonstudio nach Spanien.

 

Nachdem aus den beiden Babys zwei süße Mädels wurden, wurde über die Zwischenschritte Geithain ME-25 und RL 904 wieder "aufgerüstet". Am Ende bin ich nahezu wieder bei meiner ursprünglichen passiven Zusammenstellung und glücklich. Die alte Version der ME-100 noch mit der Impedanzlinearisierung und einem PrimaLuna Röhrenendverstärker der den analytischen Hochtonbereich der Geithain (für meinen Geschmack) viel natürlicher und angenehmer macht. Als Quelle verwende ich lediglich einen Abacus AroioSU. Mein jetziger Hörraum ist im Gegensatz zu früher gleichzeitig ein Wohnraum. Die akustischen Maßnahmen mussten entsprechend effizient und unauffällig ausfallen. Um die Linearisierung des Frequenzgangs kümmert sich hauptsächlich die digitale "Raumkorrektur" via Acourate. Zwei Membranabsorber verhindern einen langen Nachhall bei der dominierenden Raummode im Tiefbass. Witerhin verwende ich Diffusoren zwischen den Lautsprechern und an der Rückwand. Möchte ich einen Abend richtig gut Musikhören, erweitere ich die Akustikmaßnahmen temporär um einen kleinen Basotectabsorber an der Decke und um Reflektoren an den Seitenwänden. Diese Erweiterung dauert keine Minute.

Die "unvernünftigen" Kosten

Eine Ergänzung noch zu den Preisen einer High End Musikanlage. Wenn "gute Geräte" gekauft werden, ist der Wertverlust über die Jahre gering. Qualitativ hat sich seit den 90er Jahren im Bereich Lautsprecher und Analogtechnik eigentlich nichts getan. Gute Geräte erkennt man schon daran, dass diese lange Zeit nahezu unverändert angeboten werden. Die regelmäßigen Aktualisierungen zahlreicher Modelle erfolgen hauptsächlich aus Marketinggründen - bei mir reduziert das eher das Vertrauen in den jeweiligen Hersteller. Den Octave V50 hätte ich in dem Zustand - auch als Geldanlage - einmal behalten sollten. Eine 900 € Zusammenstellung aus dem nächsten Elektronikmarkt können Sie dagegen nach ein paar Jahren nahezu komplett abschreiben. Möglicherweise notwendige Reparaturen lohnen sich kaum. Hochwertige Geräte werden gut behandelt, sehr lange verwendet und sind damit nicht nur finanziell vernünftiger, sondern auch ökologischer als die meisten Produkte der heutigen Wegwerfgesellschaft. 

 

Um zu einem guten Gesamtergebnis zu kommen, sollte immer das Kosten-Nutzen Verhältnis beachtet werden. So wird beispielsweise ein neuer - noch besserer - Subwoofer die grundsätzlichen raumakustischen Probleme auch nicht lösen können, sondern die vorhandenen Raummoden nur noch exakter anregen.

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