Glas / Fenster in der Raumakustik

Relativ häufig bekomme ich Kundenanfragen die sich über einen zu starken, unnatürlichen Mittelhochtonbereich bzw. einen insgesamt zu "scharfen" Klang beklagen und sich aus dem Grund oftmals mehr Absorberfläche wünschen. Viele dieser Räume weisen allerdings speziell im Hochtonbereich bereits relativ geringe Nachhallzeiten auf, sodass zusätzliche Absorber den Nachhallzeitverlauf eher weiter"verbiegen" würden. 

 

Häufig sind großflächige Fensterflächen - neben einer oftmals zu geringen Diffusität der Räume - die Ursache dafür.

Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass ein Hörraum immer ähnlich klingt wie seine Begrenzungsflächen.

Die Schallwellen vom Lautsprecher regen die Flächen zum Schwingen an, das Ausschwingverhalten der Flächen "verfärbt" die Reflexionen. Die zurück reflektierten Schallanteile nehmen quasi "den Klang des Materials auf". Glas ist dabei extrem steif und hart. Es besitzt daher sehr schmalbandige (kaum bedämpfte) Eigenfrequenzen, da die innere Dämpfung gering ist. Glas ist so hart, dass selbst im Mittelhochtonbereich noch starke Eigenfrequenzen auftreten - was man schon mit einem Klopftest gut hören kann.

Ein weiteres negatives Beispiel für den Zusammenhang vom Raumklang zum Begrenzungsmaterial wären nur wenig bedämpfte Gipskartonplatten. Ein solcher Raum klingt genauso "hohl / pappig" wie die Platten selber - mit dem Vorteil das Gipskarton nicht so hart ist und der Mittelhochtonbereich dementsprechend weniger darunter leidet. Dafür leider dann der Oberbass- / Grundtonbereich. Ein positives Beispiel wären Begrenzungsflächen aus Holz. Holz besitzt meistens ein harmonisches Ausschwingverhalten und genauso gut "klingen" oftmals auch die Räume.

 

Große Glasflächen besitzen zwar auch ausgeprägte Eigenfrequenzen im Tieftonbereich - wo zusätzliche Absorption ja fast immer gewünscht ist - aber auch dort nur sehr schmalbandig und wahrscheinlich bei Frequenzen wo der Musikhörer es nicht benötigt. Es wäre schon extrem großes Glück wenn z.B. die erste Längsmode genau mit einer tiefen Eigenfrequenz der Fensterfläche übereinstimmen würde. Fenster als alleinige Bassabsorber sind daher eher ungeeignet, zumal die oben genannten Nachteile im Mittelhochtonbereich klar überwiegen.

 

Wenn ein neuer Hörraum schon in der Neubauphase geplant wird, sollten die Fensterflächen daher möglichst klein ausfallen oder Schallschutzfenster eingeplant werden. Je kleiner die einzelnen Gläser sind (z.B. Sprossenfenster) und je dicker die Fenster / Gläser, desto geringer die Probleme. Schallschutzfenster besitzen unterschiedliche Eigenfrequenzen der einzelnen Gläser und eine eingearbeitete Folie. Sie weisen ein deutlich unproblematischeres Ausschwingverhalten auf. Absolut katastrophal sind dagegen einfach verglaste Fenster. Bei klassischer Zweifachverglasung kann mit einer Folienbeschichtung eine gewisse nachträgliche Bedämpfung aufgebracht werden. Zusätzlich kann damit auch eine Fensterscheibe (meistens die Innere) soweit beschwert werden, dass sich die Eigenschwingungen von der äußeren Scheibe unterscheiden - ähnlich wie bei den Schallschutzfenstern. Mit dem Resultat geringerer Schwingungsamplituden der Glasflächen und entsprechend einer Verminderung der klanglichen "Schärfe".

 

Im Zuge einer raumakustischen Beratung geben wir Ihnen gerne Empfehlungen welche Produkte sich für die "Zähmung" von Fensterflächen eignen.