Raumakustik Optimieren im Hörraum


Warum ein Raumakustik Ratgeber?

Die Akustik im Hörraum ist einer der beiden wichtigsten Bestandteile der HiFi-Kette. Selbst mit den besten Lautsprechern wird ein unbehandelter Raum einen um mehr als 20 dB schwankenden Frequenzgang aufweisen. Das stellt eine sehr große Schwankung dar und ist kein Vergleich zu der Linearität eines Lautsprechers im Freifeld, erst recht nicht zu den digitalen Quellgeräten. Wenn Sie erleben möchten, wie gut Musik klingen kann und wie gut Ihr Equipment ist, sollten Sie dem Optimieren der Raumakustik Ihrer Hörumgebung eine hohe Aufmerksamkeit entgegenbringen. Häufig wird von 50% und mehr Einfluss auf die Klangqualität ausgegangen. Es ist erstaunlich welcher Aufwand oftmals bei relativ unwichtigen Komponenten betrieben wird, wo doch Lautsprecher und Raumeigenschaften den Klang maßgeblich beeinflussen. Dieser praxisbezogene Ratgeber soll helfen raumakustische Probleme zu verstehen, Lösungsmöglichkeiten vorstellen und eine Hilfestellung geben die Raumakustik Ihres Hörraums deutlich zu verbessern.

Raumakustik Verbessern im Hörraum - für Tonstudio, Musikzimmer, Heimkino

Grundlagen (kurz & bündig) // Nachhallzeit

Generell gefallen uns einige Lautsprecher besser als andere. Genauso ist es empfehlenswert auch bei der Raumakustik seine eigene Vorliebe zu kennen. Was bei Lautsprechern die Gegensätze "analytisch-klar" und "musikalisch-entspannt" sind, entspricht in der Raumakustik der Länge der Nachhallzeit. Die Nachhallzeit bestimmt den Klangcharakter; also der verstrichene Zeitraum bis ein akustisches Signal bis auf ein Tausendstel seines Schalldrucks zurückgegangen ist. Kurze Nachhallzeiten - mit einem hohen Anteil von Direktschall - klingen "trocken-druckvoll-exakt, aber auch: analytisch-hart". Ist die Nachhallzeit lang - mit einem hohen Anteil an Reflexionen - tendiert der Klang zu "offen-umhüllend-erlebnisreich, aber auch: leicht ungenau". Es gilt eine möglichst optimale Mischung zu finden. Auch die Raumgröße, die bevorzugte Musikrichtung und das Einsatzgebiet (High End // Heimkino // Tonstudio) spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. So sind etwa im Heimkinobereich kürzere Nachhallzeiten anzustreben (0,25 bis 0,35 s) als im privaten High End Stereo Bereich (0,3 bis 0,6 s).

 

Bevor Sie ein "Akustikprodukt" kaufen, lohnt sich eine Überlegung zum Gesamtkonzept und was ein ausgesuchtes Produkt überhaupt bewirken kann. Die für Sie "beste“ Raumakustik kennt auch der "beste" Akustiker nicht. In einem Regieraum eines Tonstudios wird eine "akustische Lupe" zum arbeiten benötigt. Für den audiophilen Hausgebrauch bevorzugen die Meisten - auch Tontechniker - eher einen natürlicheren, lebendigeren Klang mit einer längeren Nachhallzeit bzw. einen höheren Anteil an Reflexionen.

 

Unabhängig von Feinheiten im akustischen Geschmack, gibt es jedoch einige Kriterien, die sich grundsätzlich positiv bei dem Optimieren der Raumakustik auswirken:


 Akustisch symmetrische Lautsprecheraufstellung & Einrichtung des Hörraums (Stereosymmetrie) 

 Gleichmäßiger Frequenzgang & Nachhallzeit über den gesamten Frequenzbereich 

 Diffus bzw. "Sanft" gestaltete Zusammensetzung des Nachhalls 


Häufig aufgeführt wird zudem das generelle Vermeiden von frühen seitlichen Reflexionen. Zumindest für den Heimgebrauch ist dies jedoch nicht unumstritten. Zutreffend ist es für Tonstudios mit einer echten reflexionsfreien Zone im Abhörbereich und entsprechender Hörposition im vorderen Raumdrittel. Im privaten HiFi Bereich empfehlen wir die seitlichen Reflexionsflächen möglichst diffus zu gestalten, um einen umhüllenden Klangeindruck mit mehr Tiefe und Breite zu erzeugen. In allen Anwendungsfällen sollte dabei ein möglichst gleichmäßig abfallender (diffuser) Nachhall angestrebt werden. Ein radikales Ausblenden der Raumakustik bzw. der Reflexionen führt nicht zu einer guten Raumakustik ("schalltoter" // reflexionsarmer Raum).

 

Was am Hörplatz von der Musik ankommt resultiert aus einer Überlagerung des Direktschalls aus dem Lautsprechern und dem bereits von den Begrenzungsflächen reflektierten Schallanteil, dem indirekten Schall. Die räumliche Entfernung - der Weg den der Schall zurückgelegt hat - und die zeitliche Zusammensetzung des Nachhalls am Empfänger stehen in einem direkten Zusammenhang. Und es wird noch komplizierter: Durch das frequenzabhängige Absorptionsverhalten ("Schallschluckvermögen") der Wände und der Raumeinrichtung, gibt es nicht nur eine einzige Nachhallzeit des Raums, sondern für jeden Frequenzbereich eine andere. Die folgende Veranschaulichung gilt also eigentlich nur bei einer Frequenz. Auch breitet sich der Schall nur oberhalb von ca. 400 Hz tatsächlich strahlenförmig aus, darunter jedoch zunehmend kugelförming.

Reflexionswege im Hörraum, Raumakustik Verbessern
Reflexionswege im Raum <-> Zusammensetzung des Nachhalls im Zeitbereich

RAUMAKUSTIK OPTIMIEREN // OHNE MESSUNGEN?

Häufig wird für eine seriöse raumakustische Beratung eine Vermessung des Raums zwingend empfohlen, um die individuellen Probleme zu analysieren und die passenden Akustikmodule auszuwählen. Im Anschluss daran erfolgt üblicherweise eine zweite Messung, die die Wirkung der eingesetzten Module überprüft. Dieser Ansatz ist technisch sicherlich der Sauberste und für hohe Ansprüche auch unumgänglich. Bedauerlicherweise sind akustische Messungen aber mit relativ hohen Kosten verbunden, jedenfalls solange man nicht das Equipment und die Erfahrung hat, um diese selber durchzuführen und zu interpretieren. Natürlich hat jeder Raum einzigartige akustische Eigenschaften und Herausforderungen, die - wie im Tonstudiobereich schon lange bekannt - gezielt mit abgestimmten Akustikmodulen behandelt werden müssen. Einfach ein "Raumakustik-Komplettset" zu erwerben ist wenig zielführend. Viele der grundlegenden Probleme eines Hörraums lassen sich aber auch ohne Messungen deutlich verbessern (auch gezielt auf einzelne individuelle Problemfrequenzen); ein gewisses Basiswissen bzw. das Beachten einiger Grundsätze vorausgesetzt. Das ist keine Raketenwissenschaft. 

 

Für den fast immer problematischen Bassbereich haben wir eine einfache Anleitung verfasst, wie Sie Ihre "Problemfrequenzen" Ihrer Raumakustik selber ermitteln können. Vorgestellt werden sollen in diesem Ratgeber die wichtigsten Grundlagen für das Optimieren der Raumakustik, das jeweilige akustische Problem & mögliche Maßnahmen, aber auch typische Fehler. Einige weitere Tipps zur Raumgestaltung von Hörräumen befinden sich auch in den FAQs.


Die Umsetzung // Akustikmodule

Für die Optimierung der Raumakustik werden zwei unterschiedliche "Werkzeuge" eingesetzt: Absorber und Diffusoren. Absorption bildet dabei die Basis für die Raumakustik und beeinflusst direkt die Nachhallzeit und den Frequenzgang. Diffusoren erhöhen die Qualität des Nachhalls und sind viel mehr als nur das oft zitierte "i-Tüpfelchen" der Raumakustik.

Raumakustik Verbessern - Mittelhochton Absorber

Hohe Frequenzen, kleine Probleme

Raumakustik Verbessern - Bassbsorber

Tiefe Frequenzen, große Probleme

Raumakustik Verbessern - Akustik Diffusor

Warum Schalldiffusion für eine gute Klangwiedergabe so wichtig ist



Der Kauf eines neuen Kabels für Ihre Musikanlage mag einfacher sein, als passende Akustikelemente auszuwählen. Wirkungsvoller wird es jedoch nicht sein. Wir helfen Ihnen gerne bei dem Herausfinden der "Problemfrequenzen" Ihres Raums und bei der Aufstellung der Module.